Als MAPPA ankündigte, dass der heiß ersehnte „Reze Arc“ (oder auch Bomb Girl Arc) von Tatsuki Fujimotos Chainsaw Man keine traditionelle 12-Episoden-Staffel erhalten, sondern stattdessen als Kinofilm umgesetzt werden würde, waren die Fans verständlicherweise besorgt. Einen kompletten Erzählbogen in eine Laufzeit von rund 100 Minuten zu quetschen, ist immer ein Wagnis. Doch Regisseur Tatsuya Yoshihara hat die einzelnen Kapitel nicht einfach nur erfolgreich aneinandergereiht – er hat ein absolut blutgetränktes Meisterwerk geschaffen, das es schafft, gleichzeitig herzzerreißend und herrlich durchgeknallt zu sein.

Ein zarter, emotionaler Slow-Burn

Der Film beginnt keineswegs mit dem Dröhnen von Kettensägenmotoren, sondern mit einer leisen, bewussten Intimität. Wir erleben unseren wilden Protagonisten Denji, wie er noch immer versucht, das Grundkonzept menschlicher Zuneigung überhaupt zu begreifen. Dann tritt Reze auf den Plan – eine geheimnisvolle Café-Mitarbeiterin, die Denji nicht als gefährliche Waffe oder als Haustier sieht, sondern als Mensch.

Die erste Stunde des Films entfaltet sich wie eine wunderschön-melancholische Indie-Romanze. MAPPA setzt hier ganz auf feinfühliges Character Acting: gestohlene Blicke im Regen, gemeinsames Lachen und die leisen Momente des Alltags.

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Das Herzstück dieser ersten Hälfte ist eine erweiterte, größtenteils Anime-exklusive Sequenz in einem nächtlichen Schwimmbad, in der Reze Denji das Schwimmen beibringt. Im Manga ist es ein wunderschön einfaches Kapitel, aber der Film verwandelt es in ein weitläufiges, sinnliches Erlebnis. Die Animatoren dehnen die Szene aus, um die bildlichen wie auch metaphorischen Distanzen zwischen den beiden zu verdeutlichen. Durch Spiegelungseffekte im Wasser und einen tiefen, sich langsam aufbauenden Soundtrack von Komponist Kensuke Ushio wird die tragische Romanze viel tiefer verankert, als es der Manga je konnte – es ist eine der intimsten und visuell ansprechendsten Sequenzen im modernen Anime.

Was Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc zu einer solch meisterhaften Adaption macht, ist nicht nur die bloße Umsetzung der Manga-Panels von Tatsuki Fujimoto – der Film baut sie aktiv aus. Fujimoto ist bekannt für sein atemberaubendes Tempo und sein visuelles, minimalistisches Storytelling; oft lässt er emotionale Lücken zwischen den Panels, die die Leser selbst füllen müssen. Regisseur Tatsuya Yoshihara und das Team von MAPPA nutzen das Spielfilmformat, um diesen leisen Momenten Luxus einzuhauchen und auf Details zu verweilen, über die der Manga hinweggefegt ist.

Detaillierte Charakteranimationen und erweiterte Romanze
Die erste Hälfte des Films baut die aufkeimende Beziehung zwischen Denji und Reze spürbar aus. Wo der Manga nur wenige Panels brauchte, um ihre Chemie in der verregneten Telefonzelle und im Café zu etablieren, zeigt der Film wunderschön flüssige, neu hinzugefügte Charakteranimationen. Wir sehen die subtilen Nuancen in Rezes verspielter Stichelei und Denjis verknallter, alberner Faszination.

Das ultimative Blutbad-Festmahl

Sobald die Maske fällt und Rezes wahre Identität als Bomben-Teufel enthüllt wird, schaltet der Film schlagartig einen Gang höher. Die zweite Hälfte ist ein absoluter Adrenalinstoß.

Während die erste Staffel des Animes noch für ihre filmische, an Realfilme erinnernde Bildsprache gefeiert wurde, setzt der Reze Arc-Film voll auf ein bombastisches, maximalistisches Spektakel. Die Action ist rasant, blutig und ohne jede Entschuldigung absurd. Die Animation erreicht im Finale ihren absoluten Höhepunkt – gekrönt von einer Sequenz, in der Denji buchstäblich auf einem riesigen Hai-Teufel in den Kampf gegen eine explosive Bedrohung von Stadtformat reitet. Es ist ohne Frage eine der unterhaltsamsten, atemberaubendsten und verrücktesten Action-Szenen, die man in einem Shōnen-Film seit Jahren gesehen hat.

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Die Kritikpunkte

Wenn es überhaupt einen Grund zur Kritik gibt, dann den, dass der Film gelegentlich Opfer seiner eigenen monumentalen Größe wird. Während des finalen, gewaltigen Showdowns können die visuellen Effekte – stark geprägt von den neonfarbenen Farbspritzern, die man von Fujimotos Manga-Covern kennt – so dicht geschichtet und kinetisch werden, dass es schwerfällt, der eigentlichen Choreografie zu folgen. Da der Film zudem eine direkte Fortsetzung der Serie ist, nimmt er Neueinsteiger absolut nicht an die Hand. Wer die erste Staffel nicht gesehen oder den Manga nicht bis Band 6 gelesen hat, wird völlig den Faden verlieren.

Das Fazit: Ein Triumph für den Shōnen-Anime

Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc funktioniert deshalb so hervorragend, weil der Film die Dualität seiner Vorlage perfekt einfängt. Er versteht, dass es in Chainsaw Man nicht nur um Kettensägen und Gore geht, sondern um die tiefgründige Einsamkeit eines Jungen, der sich einfach nur danach sehnt, geliebt zu werden – und um die tragische Realität der Welt, in der er lebt.

Kommt wegen der atemberaubenden Animationen und eines Mannes, der auf einem Hai reitet; bleibt wegen der herzzereißenden, bittersüßen Tragödie, die eindrucksvoll beweist, warum diese Geschichte auf die größtmögliche Leinwand gehört.